Traditionelles Okinawa Goju Ryu Karate – Was ist hier anders?

Traditionelles Okinawa Goju Ryu Karate ist kein Sportkarate. Diese Aussage ist für einen Laien nicht sehr informativ. Deshalb möchten wir hier die Gelegenheit ergreifen, und den Unterschied erklären.

Sportkarate

Sportkarate, so wie es in den meisten Vereinen in Österreich praktiziert wird, teilt sich in zwei Sparten auf: Kumite (Kampf) und Kata (Imaginärer Kampf). Beide Disziplinen werden dabei so trainiert, um bei etwaigen Wettkämpfen teilnehmen und dabei auch erfolgreich sein zu können. Beim Kumite, also beim offenen Kampf, wird eine Schutzausrüstung (Handschuhe, Fußschützer etc.) verwendet um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Hauptziel beim Sportkumite ist es, den Gegner schnell treffen zu können ohne ihn jedoch dabei zu verletzen. Es kommt also auf eine schnelle und genau ausgeführte Technik an, um Punkte beim Wettkampf zu erzielen und nicht auf die Schlagwirkung. Bei der zweiten Disziplin, der Kata, ist es ebenfalls wichtig, den Ablauf, die Form und die Techniken so auszuführen, um den festgesetzten Richtlinien der jeweiligen Sportverbände zu entsprechen und somit von der Jury Punkte zu bekommen.

Traditionelles Okinawa Goju Ryu Karate

Im Okinawa Goju Ryu gibt es keine verschiedenen Disziplinen. Es wird als holistisches, also ganzheitliches System angesehen. Der Grundstein liegt in den Katas. Aus ihnen werden die Techniken herausgenommen und dann als Kihon (Grundschule) oder Bunkai (Anwendung) trainiert. Weiters werden diese Techniken dann in das Kumite integriert. Auch verläuft das Kumite oder Iri Kumi selbst ebenfalls anders als im Sportkarate. Es wird ohne Schutzausrüstung gekämpft und es geht nicht darum, Punkte zu erzielen, sondern praxisnahe Techniken anzuwenden. Einen Unterschied kann man schon in der Ausgangsstellung erkennen. Beim Sportkumite ist der Stand tief und man bewegt sich grundsätzlich auf den Fußballen springend. Im traditionellen Kumite ist der Stand höher und man versucht mit der Fußsohle am Boden zu gleiten. Dabei wird auch mit Kontakt gekämpft, denn man sollte zumindest bis zu einem gewissen Grad dazu fähig sein, harte Treffer auszuteilen und auch einzustecken. Aus diesem Grund wird beim Traditionellen Okinawa Goju Ryu viel Wert auf körperliche Zusatzübungen (Hojo Undo) gelegt, um sich abzuhärten.